Call of Juarez: Bound in Blood

Heute ist Call of Juarez: Bound in Blood, der Nachfolger und zugleich Vorgänger zu einem meiner absoluten Lieblingsspiele und meiner Meinung nach einem der drei besten First Person Shooter aller Zeiten. Grund Genug, dass ich hier mal einen kurzen Kommentar dazu los werde, zumal der letzte Blog Eintrag schon einige Zeit zurück liegt 🙂

Call of Juarez: Bound in Blood Logo

Bound in Blood spielt – wie bereits angedeutet – vor dem ersten Teil, erzählt also die Geschichte der McCall Brüder. Einige Publikationen ließen im Voraus bereits verlauten, dass genau das das Problem von Bound in Blood sei, denn man würde den Ausgang der Geschichte quasi schon kennen. Doch etwas verunsichert darüber war ich zunächst skeptisch – schließlich war das Storytelling und die filmreife Inszenierung der Handlung der Pluspunkt schlechthin des ersten Teils – kann aber nun nach dem ich einige Zeit gespielt habe, zumindest was mich angeht, Entwarnung geben.

Die Geschichte wird nicht minder rasant und furios präsentiert wie im ersten Teil. Eine kurze Cutscene zeigt zwei sich streitende McCall Brüder, danach beginnt das Spiel in einer Rückblende. Der Erzähler, der jüngste der drei McCall Brüder William, ein Priester, der seine beiden älteren Brüder wieder auf den rechten Pfad der Tugend führen will, leitet in die Geschichte ein. Begleitet wird er von Bildtafeln, während den Ladescreens. Aber auch in In-Game Cutscenes, der direkten Handlung und kurzen Schnipseln kommt William oft genug zu Wort.

Und beim Thema Wort kommen wir schon zur Sprachausgabe. Die deutsche Synchronisation empfinde ich als durchaus gelungen, einen direkten Vergleich zur Englischen Synchronisation (das Spiel stammt von Techland, einem polnischen Entwickler) habe ich aber nicht angestellt. Vor allem fallen bei der Sprachausgabe die Dialoge und Kommentare der beiden älteren Brüder, Thomas und Ray McCall, auf.

Call of Juarez: Bound in Blood

So etwa eine Cut-Scene die – allerdings ohne Dialog – auch bereits im Trailer zu sehen war. Ray blickt in den Canyon: „Wollen wir das friedlich lösen?“ Ein Blick zu Thomas und beide brechen in höhnendes Gelächter aus. Derart trockene Witze und bissige Kommentare gibt es immer wieder. Schießt man auf ein frei umher laufendes Huhn kommentiert Ray bzw. Thomas dies mit einem trockenen „Schieß nur auf das, was Du auch essen willst!“. Auch der Player wird belohnt… Gute Trefferquoten finden eine besondere Anerkennung durch den Bruder.

Überhaupt hat die Soundkulisse einiges zu bieten. Die ersten Levels strotzen gerade nur so vor Effekt geladenen Szenen, sowohl optischer als auch audiophiler Natur.  Überall kracht es um einen Rings rum, aufgrund der Kanonenkugeleinschläge, der Subwoofer wird brachial eingesetzt, die Surrounds wissen sowohl die Effekte als auch – je nach Kamera-Einstellung – die Dialoge gekonnt in Szene zu setzen.

In optischer Hinsicht wird diese Action auch äusserst ansprechend umgesetzt. Wer glaubt, die Chrome Engine hätte mit der DX10 Version vom ersten Teil schon alles gezeigt, der irrt gewaltig. Die Überblendeffekte sind atemberaubend, die Natur, egal ob Baum, Strauch oder Maisfeld, sehr detailliert und weitläufig dargestellt. Die Texturen wissen mit knackiger Schärfe zu überzeugen und die NPC und Spieler-Modelle weisen enormen Detailgrad und Detail-tiefe auf. Tiefenunschärfe und ähnliche Effekte tragen zusätzlich zur Stimmung bei.

Call of Juarez: Bound in Blood - Thomas McCall

Doch genug vom Drum herum. Wie sieht es mit dem Gameplay aus? Nicht minder gut, ist die Antwort. Spielte man im ersten Teil noch Abwechselnd Billy, den Adoptivsohn von Rays Bruder, sowie Ray selbst, kommen jetzt beide McCall Brüder zum Einsatz. Bis auf wenige Ausnahmen wählt man vor jedem Kapitel mit welchem der beiden Brüder man spielen will. Ray wie bereits aus Teil eins gewohnt, ein brachialer Haudrauf Typ mit der Möglichkeit zwei Pistolen gleichzeitig zu tragen und Thomas, der zwar anders als Billy fast durchwegs auch zur Waffe greift, aber von dem durchaus auch einige Schleicheinlagen gefordert werden. So stehen Thomas neben bekannter Schießprügeln auch ein Lasso sowie Pfeil und Bogen zur Verfügung. Rays Bibel, mit denen er im ersten Teil Gegner betend zum Hinknien brachte, bevor er sie niederknallen konnte, wich nun einem Bündel Dynamit.

Einer der interessanten Aspekte des Gameplays beim ersten Teil waren auch die Showdowns. In Slow-Motion Momenten kam es auf exaktes Timing an, um den Gegner bei einem – im Western Genre typischen – High-Noon Duell nieder zu strecken. Die Art und Weise wie dieses Element funktioniert wurde geändert. Musste man im ersten Teil noch im richtigen Moment die richtige Taste drücken und möglichst viele Schüsse auf den Gegner abfeuern, bei gleichzeitig durchs Bild laufendem Fadenkreuz, so führt man dieses Manöver jetzt mit einer Mausgeste aus. Man führt die Hand zum Holster, wartet bis die Glocken ertönen und zieht dann förmlich mit der Maus den Revolver. Auch die Zeitlupen-Schiesseinlagen und das Auswerfen des Lassos werden nun mit Mausgesten gesteuert. Im Übrigen haben beide Brüder unterschiedliche Zeitlupen-Angriffe, und so auch unterschiedliche Mausgesten, mit denen sie ausgeführt werden.

Die Wahl des Bruders beeinflusst so, wie man die Geschichte erlebt. Denn beide bzw. alle drei Brüder stürmen gemeinsam durch ihr Abenteuer, und sind gegenseitig auf sich angewiesen. Ray bricht für seine Brüder die Türen auf, Thomas hilft dem behäbigeren Ray sich auf höhere Absätze hochzustemmen. Den jeweiligen anderen Bruder steuert der Computer. Ein nochmaliges Durchspielen der Level ist so durchaus reizvoll.

Insgesamt kann man also eigentlich nur sagen, dass Bound in Blood ein absolut gelungener Nachfolger ist. Die Atmosphäre ist nochmals dichter als beim Vorgänger, die Story kann – soweit ich bisher gespielt habe – vollends überzeugen, das Gameplay ist insgesamt Actionlastiger als beim Vorgänger ausgefallen, tröstet aber über manchen Frust und Längen der Szenen mit Billy hervorragend hinweg.

Und das Szenario an sich ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Es gibt eben zu wenige Western Shooter. Bitte mehr davon! Und dabei mag ich eigentlich gar keine Western(-Filme)… 😉

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